Einleitung

Der Ise-jingū gilt als das größte Heiligtum im japanischen Schrein-Shintō. Es gibt diesen der Sonnengöttin Amaterasu geweihten Groß-Schrein nun schon seit der Jito-Ära, also seit anderthalb tausend Jahren, was er einem besonderen Baumaterial verdankt: Information. Der Schrein, meist einfach nur Jingū genannt, wird alle zwanzig Jahre im Rahmen einer großen Zeremonie namens Shikinen Sengu neu errichtet. In den acht Jahren vor der Neuerrichtung werden um die dreißig Rituale durchgeführt, vom Fällen des ersten Baumes bis hin zur mehrtägigen spirituellen Reinigung der Orte. Das Wissen um die Konstruktion der einzelnen Gebäudeteile wird nun schon seit über 60 Generationen weitergegeben. Der Schrein ist somit nachhaltig in einem anderen Sinn als er sonst üblicherweise verwendet wird.

Nachhaltigkeit

Informationelle Nachhaltigkeit ist der Versuch, die Besonderheit des Querschnittbereiches Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu fassen und so zu erweitern, dass informatische Grundprobleme berücksichtigt werden. Angelehnt an den Begriff der informationellen Selbstbestimmung soll er deutlich machen, dass es um Nachhaltigkeit die Information betreffend gehen soll. Der schillernde Begriff der Nachhaltigkeit besitzt mehrere Dimensionen, in der gegenwärtigen Debatte hat man sich auf drei zentrale geeinigt, so dass man von der ökologischen, der ökonomischen und der sozialen Nachhaltigkeit spricht. Digitalisierung wird dann als Querschnitt durch alle drei Dimensionen gezogen: Welche Rolle spielt der Ressourcenverbrauch der Informations- und Kommunikationstechnik? Welche datenbasierten Geschäftsmodelle sind von Dauer? Wie wirkt sich das Internet der Dinge auf die Privatheit aus? Dies sind drei der typischen Fragen, die sich stellen, wenn wir die Digitalisierung quer zu den etablierten Dimensionen der Nachhaltigkeit legen.

Es gibt jedoch Fragen, die sich dieser Trias entziehen: Wie können wir die langfristige Erhaltung von Forschungsdaten garantieren? Wie können wir Diskussionen für nachfolgende Generationen speichern? Wie können wir die neue Kulturtechnik »automatisierte Symboltransformation« lehren? Sicher, wir können alles irgendwie als Teil der sozialen Nachhaltigkeit sehen, dann aber frage ich mich, warum wir nicht auch die Ökologie und Ökonomie ebenso darunter fassen sollten? Ja, alles hängt mit allem zusammen, der Sinn und Zweck dieser intellektuellen Teilung von so innig miteinander verwobenen Phänomenen nennt die Informatik divide et impera: Unterteile ein großes Problem in beherrschbare Teilprobleme. Die informationelle Nachhaltigkeit ist ein solches Teilproblem des größeren Problems Nachhaltigkeit, ein Teilproblem, das sich mit der besonderen Natur der Information beschäftigt.

Damit sollen also die bisherigen Arbeiten des Querschnittsbereichs Nachhaltigkeit und Digitalisierung ebenso fassen können wie die großen Forschungsherausforderungen der Informatik.

Die große Beschleunigung

Seit den 1950er Jahren folgen die entscheidenden sozio-ökonomischen Trends einer exponentiellen Kurve, die unter der Bezeichnung Great Acceleration (die Große Beschleunigung) in der Literatur zu finden sind. Im Bereich der Informations- und Kommunikationstechniken gibt es das so genannte Moore’sche Gesetz, das die Verdopplung der Leistungsfähigkeit von Computerchips alle 18 Monate postuliert. Wenn wir über Wachstum, besonders über exponentielles Wachstum sprechen, werden wir wohl oder übel um die Thematisierung der Grenzen dieses Wachstums nicht umhinkommen. Elektrische Leitungen auf Computerchips können nur innerhalb der Naturgesetze operieren, beispielsweise. Auch unser Wirtschaftssystem ist auf unbegrenztes Wirtschaftswachstum ausgelegt, wobei auch hier die Grenzen immer häufiger und deutlicher thematisiert werden. Im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit schließlich ist spätestens mit dem Club-of-Rome-Bericht The Limits to Growth) die Debatte über planetare Grenzen und moralische Leitplanken eröffnet worden.

Im Bereich der Informationellen Nachhaltigkeit ist seit ein paar Jahrzehnten der Information Overkill beschrieben, die vermeintliche Unbeherrschbarkeit einer regelrechten Informationsflut. Die ersten Befürchtungen in diese Richtung tauchen Bereits in Diderots Encyclopédie auf, wo er befürchtet, dass niemand mit der schieren Menge an leicht zugänglichen Informationen umgehen kann, dass also niemand mehr alles wissen kann.

Die Gutenberg’sche Galaxis, so nannte McLuhan die Epoche der Wissensaugmentation.

Von der Gutenberg- zur Turing-Galaxis.

Turing’sche Galaxis führt uns zur Frage: Was ist Information? ..und danach zu Was heißt rechnen bzw. Symboltransformation?

Was ist Information?

Information ist ein gedankliches Konstrukt, sie entsteht im menschlichen Geist, wenn unsere Sinne gereizt werden und wir diese Sinneseindrücke einordnen. Zuweilen versuchen wir, im Geist eines Gegenübers Informationen zu erzeugen, dafür senden wir Signale, bzw. Botschaften. Manchmal erzeugen wir aber auch Informationen im Geist unseres Gegenübers, ohne dass wir es wollen, wir präsentieren einfach etwas; wir sind dann ein »Display«. Die meisten Phänomene der Natur entsprechen diesem zweiten Sinn. Eine bestimmte Flechte an der Hauswand ist ein »Display« für die Information über die Luftqualität beispielsweise. Wenn wir dann auch noch eine Metrik entwickeln, diese Flechten also beispielsweise quantifizieren, entstehen Daten.

Der Mathematiker Claude Shannon wird oft angeführt, die erste technische Definition von Information gegeben zu haben – genau genommen sprach er aber über eine Theorie der Kommunikation. Es ging ihm um Signale, um Botschaften, nicht um die Information, die der menschliche Geist aufgrund dieser Botschaften produziert.

Wenn wir uns hier mit Informationeller Nachhaltigkeit beschäftigen, müssen wir uns mit der Besonderheit der Information als geistigem Konstrukt beschäftigen.

Im Lateinischen »informatio« gibt es drei Grundbedeutungen: Die In-Form-Bringung, wie ich sie auch hier verwende, dann das gleiche Wort für die Bildung und schließlich für die Signale, also in dem Sinn »Wichtige Informationen für Sie«.

Der Philosophie möchte ich den weitaus schwereren Teil der Semiose überlassen und nicht weiter ausführen, wie genau aus den äußeren Sinneseindrücken innere Sinnhaftigkeit entsteht. Hier geht es mir um die Frage, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, dass wir überhaupt Signale und Displays »lesen« können. Das Verb »lesen« habe ich in Anführungszeichen gesetzt, damit klar ist, dass ich es in einem weitaus allgemeineren Sinn gebrauchen möchte: »Lesen« ist das Aufsammeln von Sinneseindrücken. Spuren lesen, Gesichter lesen, Briefe lesen – dies alles führt zur Bildung einer Information im Geiste.

Damit wir etwas aufsammeln können, müssen wir es begreifen. Um eine Spur zu lesen, müssen wir zunächst einmal etwas als Spur begreifen, wir müssen also bereits vorher wissen, dass Handlungen Spuren hinterlassen. Dieses Prinzip lernen wir schon sehr früh im Leben kennen.

Wissen wiederum wäre dann die abrufbare Information, entweder durch scharfes Nachdenken oder über den Umweg des Lesens von externen Sinneseindrücken, die die entsprechende Information im Geiste erzeugt.

Weitergabe von Information

Shaping Knowledge → Sharing Knowledge.

Wir haben oben gesehen, dass die Weitergabe von Informationen mit Absicht durch die Aussendung von Kommunikations-Signalen oder unabsichtlich durch die Darstellung von Kommunikations-»Displays« erfolgen kann. Im Folgenden möchte ich die absichtsvolle Variante verwenden. Die Senderin der Nachricht möchte eine Botschaft an ein Publikum vermitteln, dies geschieht mit Hilfe von Medien: Rede, Bild, Schrift und Zahl.

Rede, Bild, Schrift und Zahl

Kulturtechniken. Inzwischen Versuch, das Ganze mit so genannter KI zu lösen.

Automatisierte Symboltransformation

Übliche Erklärbärtexte von stefan zur Geschichte der Rechenmaschinen und Digitalen Medien. Danach Überleitung zur KI.

Künstliche Intelligenz und informationelle Nachhaltigkeit

Künstliche Intelligenz (KI) wird sowohl als allgemeine Lösung für die drängendsten gesellschaftlichen Probleme gepriesen als auch als Hauptursache für eben solche gesellschaftlichen Probleme gefürchtet. In den aktuellen Debatten über Chancen und Risiken des Einsatzes von KI-Systemen liegt der Schwerpunkt meist auf dem I-Teil »Intelligenz«, was irreführend ist, weil die wichtigsten moralischen und politischen Implikationen aus der Tatsache herrühren, dass KI »künstlich« ist, d.h. ein soziotechnisches Artefakt des Anthropozän.

AI Literacy

Hier Gedanken aus dem peer reviewed article von stefan und Reinhard.

Weitere Gedanken

Neben der Bildung ist die Frage der Infrastruktur und der Grundversorgung 2.0 wichtig → Überleitung zum Politischen.